23. November 2012 bis 3. Februar 2013

 

„Vergessen Sie nicht die Wuchskraft der Bambuswurzeln!“ – Klasse Reto Boller

 

Eröffnung: 22. November 2012, 19:30
Villa Merkel


Die Villa Merkel wird zur Plattform studentischer Arbeiten und akademischer Vorgänge, ein außergewöhnlicher Diskurs zur Malerei ist mithin geboten: Eine Gruppe von 27 jungen Künstlern der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart – teils noch Studenten, teils schon Absolventen der Klasse Reto Boller – präsentiert sich im internationalen außeruniversitären Zusammenhang. Herausgefordert werden dabei der künstlerisch kreative Austausch innerhalb der Gruppe sowie das Forcieren der eigenen Arbeit, um im Kontext internationaler zeitgenössischer Kunst zu bestehen. Die gesamte Klasse konzipiert gemeinsam und stellt im Ensemble aus. In der dadurch erzielten Vielfalt der Auseinandersetzungen äußert sich ein Grenzgang zwischen Malerei, Objekt- und Installationskunst. Die Präsentation der Gruppe zeigt einen facettenreichen Überblick zu aktuellen Fragestellungen der künstlerischen Praxis und der Malerei sowie der Ausprägung künstlerischer Haltungen. Zunächst als Malereiklasse präsentiert, zeigt die Auswahl der Arbeiten auch installative sowie performative Positionen. Teilweise ortsspezifisch entwickelt, interagieren die Werke in den räumlich-architektonischen Gegebenheiten der Villa Merkel sowie des Bahnwärterhauses.


Professor und Studenten begegnen sich zudem auf gleicher Augenhöhe: Inmitten der Gruppe integriert Reto Boller eine eigene Arbeit. Spätestens jetzt wird klar: Bollers Arbeitsweise, Real- und Bildraum durch die Integration von Malerei, Objekte sowie Installationen zu neuen Situationen zu fügen, äußert sich auf verschiedene Weise in einzelnen studentischen Arbeiten. Mögliche Erwartungen an die Malerei werden zur Disposition gestellt. Eine Erweiterung ihrer Wahrnehmung im Raum findet statt.

„Vergessen Sie nicht die Wuchskraft der Bambuswurzeln!“ – Klasse Reto Boller zeigt Arbeiten u.a. von:

Andreas Bauer,  Lisa Götze, Nicola Höllwart, Min Seob Ji, Robert Matthes, Helen Tuma, sowie Reto Boller und Daniel Mijic.



23. November 2012 bis 3. Februar 2013

 

Adrien Tirtiaux – Die weißen Wände der Welt

 

Eröffnung: 22. November 2012, 19:30
Villa Merkel


In einer umfassenden Einzelausstellung stellt die Villa Merkel das Werk des belgischen Künstlers Adrien Tirtiaux vor. Der ausgebildete Architekt und Künstler beschäftigt sich mit räumlichen Gegebenheiten. Für das Obergeschoss der Villa Merkel entsteht ein Parcours, der sich den Möglichkeiten und Unmöglichkeiten des Modells im Zusammenhang mit künstlerischem und architektonischem Schaffen widmet. Das Spektrum reicht von utopischen Projekten über die politische Dimension von Bauplanung bis zur ästhetischen Würdigung des Modells an sich. Tirtiaux nutzt die Villa selbst wie ein Modell und modifiziert die Ausstellungsräume durch radikale, aber auch subtile Interventionen. Videos und Installationen zeugen von poetischen, performativen Raumuntersuchungen, beispielsweise wird eine zugeteilte Schlafkabine kurzerhand zum Floß umfunktioniert und transportiert den Künstler von Groningen zum Meer (It’s a long way to the sea, 2006).

 

 


Aktuell entstehen außerdem in Den Haag (THE GREAT CUT, Stroom Den Haag) und in Tours (MONUMENTALE ACADEMIE, ESBA Tours) sich stetig verändernde Architekturinterventionen des Künstlers. In der Villa Merkel werden Dokumentationen zu sehen sein, die sich während der Ausstellungszeit aktualisieren und den Schaffensprozess begleiten. Adrien Tirtiaux ist Mitglied und Mitbegründer des Kollektiv, Forschungs- und Residenzprogramm „Hotel Charleroi“, das Künstlern die Möglichkeit bietet, in der Stadt Charleroi, einer einem massiven Strukturwandel unterliegenden Stadt in der Peripherie Brüssels, zu verweilen und den urbanen Raum als Studio und Labor zu nutzen. Adrien Tirtiaux (*1980, Brüssel) lebt und arbeitet in Antwerpen, Belgien. Ein Teil der Ausstellung entsteht in Kooperation mit Helmut Heiss (*Bozen, lebt und arbeitet in Wien). Die Esslinger Ausstellung ist die erste umfassende, institutionelle Einzelausstellung des Künstlers in Deutschland.



8. Juli – 2. September 2012

 

Tobias Putrih – White City

 

Villa Merkel

 


Der slowenische Künstler Tobias Putrih untersucht in Raumarbeiten politische und soziale Utopie und erkundet idealistische Vorstellungen aus Wissen-
schaft, Architektur und Design. Für die Räume der Villa Merkel hat Tobias Putrih Strukturen der Gebäude der 1893 in Chicago ausgeführten Weltausstellung aufgenommen und eine Architektur in der Architektur erschaffen. Chicago richtete die erste Weltausstellung auf dem amerikanischen Kontinent aus. Auf einer Fläche von über 600 Hektar entstand der Prototyp einer idealen Stadt. Die weiß gestrichenen, nach neoklassizistischen Prinzipien entworfenen Modellgebäude führten zum geläufigen Namen White City. Im Bezug hierauf stellt Tobias Putrih aus einfachen Materialien fragile, raumgreifende Strukturen her, die sich ambivalent zwischen Architektur und Objekt bewegen. Dabei werden verschiedene historische Bezüge aufgenommen.

 

 


Der amerikanische Architekt Louis Sullivan beispielsweise, bezeichnete den Stil der Ausstellung schon damals als einen Rückschlag in der amerikanischen Architektur. Unter anderem prägte der Besuch der Ausstellung auch den österreichischen Architekten Adolf Loos, der nach seinem Besuch in den Vereinigten Staaten einen radikalen ästhetischen Purismus entwickelte und später seine bekannte Streitschrift „Ornament und Verbrechen“ verfasste. Im Obergeschoss der Villa Merkel erweitern Collagen, Reliefs aus Zeitungspapier und Zeichnungen den Blick auf die White City. Der Lichthof dagegen wird von einer massiven, schwarzen Struktur belagert, die im vergangen Jahr erstmals in Hongkong gezeigt wurde. Die flexiblen Metallplatten bilden horizontale und senkrechte Flächen und verweigern sich einer eindeutigen Einordnung in Design, Architektur oder Objekt.

Tobias Putrih (*1972, Kranj, Slowenien, lebt in Cambridge, USA) findet international wachsende Beachtung. Unter anderem vertrat er Slowenien im Jahr 2007 auf der 52. Biennale in Venedig.



22. April – 24. Juni 2012

 

Melanie Smith – Short Circuit

 

Villa Merkel

 


Die seit 1989 in Mexiko-Stadt lebende, britische Künstlerin Melanie Smith bearbeitet ein breites Spektrum von Fragen der Wahrnehmung. Die Bild-
sprachen westlicher Modernen werden weiterentwickelt, analysiert und in einen Kontext mit Lateinamerikanischer Kultur gebracht. In der Videoarbeit Xilitla fokussiert Melanie Smith den Skulpturenpark Las Pozas de Xilitla, angelegt in der Mitte des 20. Jahrhunderts vom englischen Künstler James Edwards. Mitten in den mexikanischen tropischen Regenwald setzte der Künstler die surrealistische Landschaft aus Architekturen und Betonskulpturen, die unter anderem Orchideen nachahmen. Smiths zunächst dokumentarisch anmutende Videoarbeit wird durch Szenen von, durch das Bild getragenen, mannshohen Spiegeln gesteigert und ins Surreale umgedeutet.


Die Malerei Melanie Smiths fokussiert Oberflächen und prozessuale Zustände. Ihre Bilder oszillieren bezüglich ihrer Wahrnehmung ständig an der Grenze zwischen dem Aufscheinen des Abbildlichen und der Faktizität der reinen piktoralen Bildwirklichkeit. Man wähnt sich Bild für Bild jeweils am Beginn von etwas Neuem. Zugespitzte Momente des physischen Erlebens – sowohl im wörtlich als auch im Sinne der bildlichen Repräsentation – kommen in der Ausstellung zum Tragen. Aber auch gesellschaftlich-politisch motivierte Arbeiten, wie Bulto, sind für Melanie Smith bezeichnend und werden präsentiert. Es ist die erste institutionelle Einzelausstellung der Künstlerin in Deutschland und es werden teils eigens neu entstandene Videos, Gemälde und Installationen gezeigt.



22. April 2012 – 8. Juli 2012

 

Saatgut – Emblements – Gran

 

Anike Joyce Sadiq (22. April – 13. Mai)
Max Santo (20. Mai – 10. Juni)
Ines Wuttke (17. Juni – 8. Juli)
Bahnwärterhaus

Vom 22. April bis 8. Juli 2012 findet die Projektreihe Saatgut – Emblements – Gran im Bahnwärterhaus, Galerie der Stadt Esslingen am Neckar statt.

Perfomances am
17. Juni, 11 Uhr,  30. Juni, 19 Uhr, 8. Juli, 13 Uhr

 


ANIKE JOYCE SADIQ [Prof. Birgit Brenner an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart], MAX SANTO [Prof. Henning Kürschner an der Universität der Künste Berlin] und INES WUTTKE [Studium der Medienkunst und Szenografie an der Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe] werden in einem Zeitraum von jeweils drei Wochen eigens für das Bahnwärterhaus entstandene installative Arbeiten und Performances zeigen. Allen drei Positionen inhärent ist eine Auseinandersetzung mit Illusion und Fiktion. ANIKE JOYCE SADIQ schafft Räume, in denen der Betrachter zur eigenen Interaktion innerhalb der Installationen findet. Sie werden zu Handlungsräumen des Besuchers, der selbst oftmals vor Fragen der eigenen Wahrnehmung gestellt wird. Lässt sich ein Wahrheitsanspruch erheben aus einer Videoprojektion, in der Besucher und Künstler gemeinsam agieren, aber nur der Besucher im aufgenommenen Raum ist? Installation und Performance werden miteinander verbunden und integriert. Performativ geht es bei INES WUTTKE weiter. Das Neue: die volle Konzentration wird auf Handlungsabläufe einer Situation gelegt. Mehrfach findet ein Performanceabend statt, der auf minimal Staffagemittel zurückgreift.


Das Bahnwärterhaus ist die Bühne, die Besucher können agieren. Fiktion wird erzeugt durch einen Erzählstrang. Ein Ausloten von Grenzüberschreitungen zwischen Performance und Theater findet statt. MAX SANTO setzt oftmals gefundene Objekte in einen Zusammenhang, um augenscheinlich Verwirrung zu stiften. Das Arrangement beginnt seine eigene Geschichte zu erzählen. Für die Ausstellung im Bahnwärterhaus okkupiert Max Santo die Räumlichkeiten und setzt sie in einen neuen Zusammenhang. Spiegelsituationen verwirren den Betrachter und evozieren eine Schimäre.
Fast erscheint jede Präsentation wie eine Wurzelsuche, ein Graben nach dem Keim, dem Kern der Wahrheit. Dabei entstehen Situationen, die ihre eigenen Geschichten erzählen.
Installationen, die eine Fiktion im illusorischen Moment erschaffen. Die Künstler legen das Saatgut. Schimären und Illusionen regen den Betrachter zum Weiterdenken an und bringen kognitive Prozesse in Gang.

 

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation bei der EDITIONrandgruppe.

Kuratiert von Maria Wäsch.


Saatgut – Emblements - Gran