24. Juni – 19. August 2018

 

Marcus Weber – KRAZY DOG MOON KAT

 

Eröffnung: Sonntag, 24. Juni 2018, 11 Uhr

 

 

Die Ausstellung im Obergeschoss der Villa Merkel präsentiert erstmals in dieser Breite als eine institutionelle Ausstellung die Gemälde des in Berlin lebenden Künstlers Marcus Weber. Es sind erzählerisch augenzwinkernde Bilder, die anspielungsreiche Gruppenporträts bieten, Stadtlandschaften, groteske Umformulierungen von gesellschaftlichen Ordnungen oder zugespitzter Individualität.

In den Gemälden blitzt malerische Raffinesse auf. Manche lesen sich als Capricho, desolat und romantisch zugleich. Und immer schwingen Maler-Überväter mit – unmissverständlich ist Marcus Webers Begeisterung für Künstler wie James Ensor oder Philip Guston. Letzterer hat in seinem Spätwerk ab Ende der 1960er Jahre einen paradigmatischen Wandel vollzogen.


 

 

Marcus Weber, C.A.D., 2014, Öl auf Nessel, 170 x 320 cm, Courtesy of the artist

Marcus Weber, domol, 2016, Öl auf Nessel, 170 x 150 cm, Courtesy of the artist

Marcus Weber, Q-tips, 2016, Öl auf Nessel, 200 x 300 cm, Courtesy oft he artist

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Er entwickelte einen narrativen Malstil, der unterschiedlichste Einflüssen wie den Comic-Künstlern George Herriman und Bud Fischer, aber auch Malern wie Piero della Francesca oder Giorgio de Chirico geschuldet ist, wobei er seinen sophisticated, abstrakt expressionistischen Pinselduktus beibehielt. Auch bei Marcus Weber entsteht in der Summe ein unhierarchisches, groteskes Gemisch.


Marcus Weber ist in Esslingen kein Unbekannter. Im Jahr 2015 realisierte er als Bahnwärterstipendiat zusammen mit Andreas Baur die thematische Gruppenausstellung Better than de Kooning im Obergeschoss der Villa Merkel, die das deformierte Menschenbild in der zeitgenössischen Malerei als Ableitung aus Comic und Karikatur in den Fokus rückte.

 

 

 

 


 


24. Juni – 19. August 2018

 

Pauline Bastard – Bilder der Welt

 

Eröffnung: Sonntag, 24. Juni 2018, 11 Uhr

 

 

Die Konzept-Künstlerin Pauline Bastard verfolgt interdisziplinäre Ansätze, arbeitet mit zeitbasierten Medien und konkretisiert Werke in Form von Langzeitprojekten und ihren Transformationen in gattungsübergreifende Installationen. Ihre Einzelausstellung im repräsentativen Erdgeschoss der Villa Merkel rückt die aktuellen Projekte der Künstlerin in den Fokus.

Die Arbeitsweise der Künstlerin und besonders auch ihre Haltung macht beispielhaft das 2015-2016 realisierte Projekt Alex augenscheinlich, das zudem als Vorläufer zu ihrem aktuellen Projekt Building Family Ties angesehen werden kann. Alex ist eine fiktive Person, der Pauline Bastard für die Dauer eines Jahres Leben verlieh. Zusammen mit ausgewiesenen Expertinnen und Experten etwa aus der Philosophie, Anthropologie oder auch der Staatsgewalten entwarf die Künstlerin Strategien, die es möglich machten, einer fiktiven Figur Identität zu stiften. Alex erhielt nach und nach einen Pass, ein Bankkonto, eine Wohnung, Arbeit und eben so etwas wie eine Identität – obschon die Alex verkörpernde Person unter anderem Namen bereits eine Existenz hatte.

 

 

 

 

 

Mit freundlicher Unterstützung des

 

Bureau des arts plastiques des Institut francais und des französischen Ministeriums für Kultur

 

 



 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alex verkörpert so etwas wie einen idealen Schläfer und balanciert entlang der Bruchlinien unserer Gesellschaft und ihrer Sicherheitsversprechen. Das Projekt bietet zudem ein fulminantes Beispiel über die Bedeutung subversiver Strategien als Mittel der Selbstbehauptung im Verhältnis repressiver Systeme.

In Building Family Ties geht es um die Gründung einer Famile, genauer einer fiktiven Familie. Sie findet sich einmal im Jahr zu einer gemeinsamen Woche Urlaub im südfranzösischen Städtchen La Seyne-sur-Mer zusammen. Das Projekt ist mit einem zeitlich offenen Ende angelegt und ist als eine Zeit des kollektiven Denkens hinsichtlich der persönlichen Verortung jedes Einzelnen, als Dialog zwischen den Visionen der verschiedenen, eine Familie ausnmachende Mitglieder, konzipiert. Pauline Bastard begleitet diese Familie auf Zeit, dokumentiert die Formen des Sich-Kennenlernens, kurioser emotionaler Annäherungen unter den Probanden, Momente der Unsicherheit, des Suchens und Ausprobierens oder aus der Erprobung klischierte Vorstellungen eines Familienlebens in Fotografie und Bewegtbildern.

 

 

 


Seit 18. Mai 2014

 

Lois Weinberger – Mobiler Garten  

 

Eröffnung: Sonntag, 18. Mai 2014, 12 Uhr  

Der »Mobile Garten« des in Wien lebenden Künstlers und Documenta-Teilnehmers Lois Weinberger ist vor dem Wintergarten der Villa Merkel eingerichtet und verbleibt dort auf längere Zeit. Er kontrastiert in seiner Wildheit den umgebenden Merkelpark, dessen gepflegte Anlage an englische Landschaftsgärten erinnert.       Ein geformtes Feld aus farbigen mit Substrat befüllten Kunststoffkübeln – Spur menschlichen Handelns und Überprägung des Standorts – wird den freien Kräften der Natur überlassen. In spontaner Besiedlung greifen mit der Zeit Pionier- und Ruderalpflanzen Raum. Natur entfaltet sich entsprechend ihrer eigengesetzlichen Dynamik und in geradezu paradiesischer, da freier Weise. Ein Garten Eden wird sich etablieren. Mit den Jahren beginnt dieser natürliche Prozess einer Besiedlung umzuschlagen in eine Form des Vergehens:  

 

 

 

 

 

 

nach und nach werden die Kübel ausbleichen, sich zersetzen sowie die Kunststoffpartikel sich mit dem Substrat und den Pflanzen vermengen. Nach Dekaden sollten Niederschläge die Standfläche wohl wieder sauber gespült haben.

 

Der Garten ist eine essentielle Form der Auseinandersetzung mit Natur. Wir kennen Gartenanlagen, die auf Erträge zielen und gleichermaßen solche, die angelegt sind als Glück stiftende Orte der Kontemplation. Dem Paradies gegenüber stehen etwa der Nutzgarten, der barocke Lustgarten oder als eine Oase in der Stadt der Volksgarten – in Esslingen namentlich die Maille und der Merkelpark.

 

Lois Weinberger<br/>NOUS, 2004<br/>Freiraum Studio Spiegelfabrik Niederösterreich

Lois Weinberger<br/>Mobiler Garten, 2014<br/>Installationsansicht Merkelpark/Villa Merkel

Lois Weinberger<br/>Plastikeimer, Erde, Spontanvegetation