19. März – 28. Mai 2017

 

Allan Kaprow – Malerei 1946-1957, eine Werkschau

 

Eröffnung: Sonntag, 19. März, 11 Uhr

 

 

Allan Kaprow (23. August 1927 – 5. April 2006) genießt Weltruhm vor allem als Aktionskünstler. Nicht allein, dass auf ihn der Begriff des Happenings zurückzuführen ist – er prägt diese Kunstform Ende der 1950er Jahre in New York. Zudem gelten seine Happenings und Environments – riesige, wandelbare Installationen etwa aus Autoreifen, Fässern oder Eisblöcken – als Marksteine in der jüngeren Kunstgeschichte. Diese Dimensionen hat etwa im Jahr 2006 die Ausstellung Kunst als Leben unter anderem im Haus der Kunst in München in besonderer Weise gewürdigt.

 

Doch Allan Kaprow beginnt als Maler, nicht zuletzt während seines Studiums bei Hans Hofmann. Er studiert zudem beim Kunsthistoriker Meyer Shapiro und beim Komponisten John Cage und zeigt sich früh der Theorie und künstlerischen Grenzgängen gegenüber offen. Es sind Zeiten, in denen die Repertoires künstlerischer Materialen ausgeweitet werden – in der bildenden Kunst kommen Materialien aus der Industrie und dem Alltag zum Zuge, Stille und Geräusch erweitern das musikalische Material, alltägliche menschliche Handlungen fließen in Choreografie und Tanz ein.

 

Die Ausstellung in der Esslinger Villa Merkel widmet sich erstmals ausschließlich dem zwischen 1946 und 1957 entstandenen, malerischen Frühwerk im Oeuvre des Künstlers. Es macht Orientierungen und das Abarbeiten des jungen Künstlers an Vorbildern augenscheinlich nachvollziehbar, gleichermaßen sein Interesse an Fragen des Raums – befeuert durch das vorbildhafte „Push and Pull" eines Hans Hofmann – wie sein Bestreben, die Leistungen eines Jackson Pollock und eines John Cage in eine Beziehung zu bringen und zu verschmelzen. Vor diesem Hintergrund entstehen ab Mitte der 1950er Jahre die von ihm Actioncollagen genannten Arbeiten, in die er nach und nach Alltagsmaterialien und -gegenstände mit einbezieht.

 

   

 

 

 

 

 

Allan Kaprow, George Washington Bridge, 1955, Oil on canvas, 97,2 x 119 cm, © Allan Kaprow Estate, Courtesy Hauser & Wirth, Photo: Stefan Altenburger Photography Zürich

Allen Kaprow, Caged Pheasant # 1, 1956, Collage and paint on canvas, 152,4 x 127 cm, Private Collection © Allan Kaprow Estate, Courtesy Hauser & Wirth, Photo: Barbora Gerny

Allan Kaprow, From James Joyce's "Ulysses", 1956, Öl auf Leinwand, 213 x 193.2 cm, © Allan Kaprow Estate, Courtesy Hauser & Wirth, Photo: Stefan Altenburger Photography Zürich

Allan Kaprow, Red Dancers, 1955, Oil on canvas, 150 x 120 cm, © Allan Kaprow Estate. Courtesy Hauser & Wirth

Allan Kaprow, Three Yellow Nudes with Purple Bottle, 1955, Oil on canvas, 45,6 x 61 cm, Allan Kaprow Estate and Hauser & Wirth, photo: Stefan Altenburger Photography Zürich

Allan Kaprow, Still Life with Candle Holder, 1956, Oil on canvas on wood panel, 29,2 x 34,6 x 2 cm, © Allan Kaprow Estate. Courtesy Hauser & Wirth, photo: Stefan Altenburger Photography Zürich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Beeinflusst durch Jackson Pollocks Fokus auf den Primat des Handelns (Action), setzt sich Allan Kaprow zum Ziel, die Collagen so schnell wie möglich zu produzieren, und sie zugleich mit musikalischen Strukturen zu verbinden, die er zuvor in Farbmaterial transformiert. Allan Kaprows entscheidende Weiterentwicklung der Actioncollage zum Environment konkretisiert sich ein erstes Mal in den Rearrangeable Panels (1957-1959), einer mehrteiligen und in verschiedenen Formen zusammenstellbaren Arbeit aus Leinwänden, die er im Jahr 1959 zum integralen Bestandteil der in der Galerie Reuben in New York präsentierten 18 Happenings in 6 Parts macht.

 

Allan Kaprow profiliert ausgehend von eben diesen frühen Bildern und entsprechend einer stringenten Konzeptualisierung seine Haltung in überaus präziser Form und eröffnet der Kunst auf diese Weise neue Ausdrucksdimensionen. In seinen Happenings bricht Allan Kaprow Grenzen auf zwischen Malerei, Objekt, Installation und Performance. Er steht dabei im Spannungsfeld von Intuition, offener Form und Zeitbasiertheit auf der einen und einer reflexiven Praxis als Theoretiker und Kunsthistoriker auf der anderen Seite.

 

Die Esslinger Ausstellung wird in einer großen Breite Bilder zeigen, die bisher noch nie zu sehen waren. Bilder, die in letzter Konsequenz bereits am Beginn eines künstlerischen Oeuvres, weit über Gattungsgrenzen hinaus weisen. Insofern schlägt sie im Programm der Villa Merkel auch einen Bogen etwa zur Werkschau von Manfred Kuttner, einem Künstler, dessen Malerei aus den 1960er Jahren – die Bilder waren unter anderem auf der folgenreichen Demonstrativen Ausstellung in Düsseldorf zu sehen, die Kuttner mit Polke, Richter und Lueg ausgerichtet hatte – letztlich in völlig anderen Dimensionen eine Weiterführung fand.

 

Die Ausstellung Allan Kaprow – Malerei 1946-1957, eine Werkschau entsteht in Zusammenarbeit mit Allan Kaprow Estate und Hauser & Wirth.

Es erscheint ein Katalog.

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

19. März – 28. Mai 2017

 

Stories in Your Mind

 

Eröffnung: Sonntag, 19. März, 11 Uhr

 

 

Die Ausstellung Stories in Your Mind präsentiert verschiedene Positionen der zeitgenössischen Kunst zum Thema Narrativität. Sie fokussiert die Interaktion zwischen Betrachter und Kunstwerk: Welche medialen und inhaltlichen Werk-Merkmale inspirieren die Vorstellungskraft des Rezipienten? Welche künstlerischen Strategien entfalten eine erzählerische Wirkung?       

 

Narrative Elemente kennzeichnen eine Vielzahl von Werken der zeitgenössischen Kunstproduktion. Dabei erfolgt ihre Verwendung nicht zwangsläufig im Hinblick auf die Darstellung einer in sich abgeschlossenen Geschichte, wie etwa bei einem Spielfilm. Vielmehr werden fragmentarisch Strukturen geschaffen, die einen freien künstlerischen Umgang ermöglichen. In Form von Impulsen kann man sie als Stimuli beschreiben, die beim Betrachter einen Imaginationsprozess auslösen. In welchem Ausmaß der Betrachter ein Kunstwerk als narrativ empfindet oder nicht, steht grundsätzlich im Zusammenhang mit seiner kulturellen Konditionierung und ist immer auch subjektiv. Somit hängt die erzählerische Wirkung nicht allein von der künstlerischen Intention ab, sondern gleichermaßen von dem Rezipienten, der sich beispielsweise durch Erinnerungsprozesse, Phantasie oder Emotionalisierung auf die angebotenen Impulse einlässt. 

 

 

 

Christian Jankowski, Angels of Revenge (Clown) (1/2), 2006, Diptychon, Fotografie, 100 x 75 cm

Sven Johne, Following the Circus, 2011, 59-teilige Serie, Archival Pigment Ink,je 41,5 x 32,1 cm, Foto: Alexander Schmidt

Jonas Dahlberg, Act I, Scene I, 2011, Detail aus 1/2, C-Print, Inkjet print, 57 x 44 cm, 44 x 22 cm, Courtesy the artist, Galerie Nordenhake, Stockholm

Natalie Czech, A hidden poem by Velimir Khlebnikov, 2011, C-Print, 120 x 93 cm, Courtesy Kadel Willborn, Düsseldorf / Capitain Petzel, Berlin

Maximilian Schmoetzer, Preliminary Material for 2022, Still, 2015, Einkanal-HD-Video, 9‘20‘‘, Courtesy the artist

 

 

 

 

 

 

 

 

Dennoch verstärken gewisse inhaltliche und mediale Merkmale einer künstlerischen Arbeit dessen Erzählkraft. So haben etwa bewegte Bilder, der Einsatz von Sprache in schriftlicher oder verbaler Form, Musik sowie die bildliche und sprachliche Figurenthematisierung einen starken Effekt.

Demnach stellen Videos und konzeptuelle Foto-Text-Kombinationen viel narratives Potential bereit. Aber auch die Darstellung menschenleerer Räume kann die Imagination des Betrachters inspirieren, da beispielsweise die Darstellung von Zeit und die Konstituierung von Raum als grundlegende Faktoren der Rahmengestaltung eines Ereignisses, mentale narrative Prozesse auslösen.

Die Ausstellung thematisiert weiterhin konzeptuelle Auseinandersetzungen mit Narration, sei es etwa durch den Einsatz von Schrift als skulpturale Form oder aber die mediale Umgestaltung textueller Zusammenhänge.

 

 

 

Künstlerinnen und Künstler:

Natalie Czech, Jonas Dahlberg, Christian Jankowski, Sven Johne, Katrina Palmer, Maximilian Schmoetzer

 

Kuratorin: Clea Laade

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 


Seit 18. Mai 2014

 

Lois Weinberger – Mobiler Garten  

 

Eröffnung: Sonntag, 18. Mai 2014, 12 Uhr  

Der »Mobile Garten« des in Wien lebenden Künstlers und Documenta-Teilnehmers Lois Weinberger ist vor dem Wintergarten der Villa Merkel eingerichtet und verbleibt dort auf längere Zeit. Er kontrastiert in seiner Wildheit den umgebenden Merkelpark, dessen gepflegte Anlage an englische Landschaftsgärten erinnert.       Ein geformtes Feld aus farbigen mit Substrat befüllten Kunststoffkübeln – Spur menschlichen Handelns und Überprägung des Standorts – wird den freien Kräften der Natur überlassen. In spontaner Besiedlung greifen mit der Zeit Pionier- und Ruderalpflanzen Raum. Natur entfaltet sich entsprechend ihrer eigengesetzlichen Dynamik und in geradezu paradiesischer, da freier Weise. Ein Garten Eden wird sich etablieren. Mit den Jahren beginnt dieser natürliche Prozess einer Besiedlung umzuschlagen in eine Form des Vergehens:  

 

 

 

 

 

 

nach und nach werden die Kübel ausbleichen, sich zersetzen sowie die Kunststoffpartikel sich mit dem Substrat und den Pflanzen vermengen. Nach Dekaden sollten Niederschläge die Standfläche wohl wieder sauber gespült haben.

 

Der Garten ist eine essentielle Form der Auseinandersetzung mit Natur. Wir kennen Gartenanlagen, die auf Erträge zielen und gleichermaßen solche, die angelegt sind als Glück stiftende Orte der Kontemplation. Dem Paradies gegenüber stehen etwa der Nutzgarten, der barocke Lustgarten oder als eine Oase in der Stadt der Volksgarten – in Esslingen namentlich die Maille und der Merkelpark.

 

Lois Weinberger<br/>NOUS, 2004<br/>Freiraum Studio Spiegelfabrik Niederösterreich

Lois Weinberger<br/>Mobiler Garten, 2014<br/>Installationsansicht Merkelpark/Villa Merkel

Lois Weinberger<br/>Plastikeimer, Erde, Spontanvegetation