13. Mai – 28. Mai 2017

 

Bahnwärterhaus:

Alberto Zamora Ruiz – it's happening!

 

Eröffnung: Freitag, 12. Mai, 19 Uhr

 

 

In den vergangenen Wochen wurde die Funktion des Bahnwärterhauses erweitert. Eine Etage stand dem Maler Alberto Zamora Ruiz als temporäres Atelier zur Verfügung. In der Ausstellung „it’s happening“

präsentiert er nun Ergebnisse aus dem Zeitraum, ergänzt um weitere Arbeiten.

 

Alberto Zamora Ruiz beschäftigt sich in seiner Malerei mit Phänomenen in den Grauzonen des Internets. Auf Kanälen wie Facebook, Youtube, 4chan oder reddit verfolgt der Künstler die Entstehung einer immer komplexeren Internetkultur, die Trends und Verhaltensweisen der Nutzer mit neuen Fachbegriffen benennt und eine eigene Sprache entwickelt hat.

 

Unter dem Begriff „Battlestations“ beispielsweise findet man im Internet zahlreiche Fotografien von heimischen Computerplätzen. Der Begriff bezeichnete dabei zunächst die Computerplätze der Gamer, die ihre Computerausrüstung tatsächlich zum „Kämpfen“ verwenden. Inzwischen steht der Begriff allgemein für den Aufbau von Computer, Monitor und Zubehör. Internetuser zelebrieren ihre Hardware als Tor in virtuelle Welten. Alberto Zamora Ruiz dokumentiert diese Plätze zwischen grell leuchtender digitaler Verheißung aus Computerlicht und einsamer Tristesse zwischen Kabeln.

 

 

Alberto Zamora Ruiz, Battlestation, 2016, Serie, ca. 95 x 70 cm, Öl auf Papier, Graphische Sammlung der Stadt Esslingen am Neckar

Alberto Zamora Ruiz, Battlestation, 2016, Serie, ca. 95 x 70 cm, Öl auf Papier, Graphische Sammlung der Stadt Esslingen am Neckar

Alberto Zamora Ruiz, Battlestation, 2016, Serie, ca. 95 x 70 cm, Öl auf Papier, Graphische Sammlung der Stadt Esslingen am Neckar

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als eine Steigerung des allgemein bekannten Selfies könnte man den Trend der so genannten „Reaction Videos“ bezeichnen. Menschen filmen sich selbst beim Anschauen von Serien oder Filmtrailern. Auf der Wohnzimmercouch geht es um den besten Gesichtsausdruck bezüglich des Seriengeschehens. Reaction videos werden teilweise millionenfach geklickt. Der Künstler lenkt in seinen Bildern den Blick auf die realen Personen hinter dem vermeintlich virtuellen Geschehen. 

 

Während eine Vermischung von Virtualität und Realität immer größeres Gewicht in unserem Alltag erhält, widmet sich Alberto Zamora Ruiz einer genauen Beobachtung einzelner abwegig erscheinender Phänomene der Internetkultur und öffnet Möglichkeiten, sich diesen unübersichtlichen Entwicklungen zu nähern.

 

 

Alberto Zamora Ruiz (*1982, Mexico City) lebt in Stuttgart, er studierte an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Holger Bunk und erhielt zuletzt ein Stipendium in Mexico City (FONCA-Stipendium 2016 (Fondo Nacional para la Cultura y las Artes, México).

    


 

18. Juni – 27. August 2017

 

JAK - Soul Blindness

 

Eröffnung: Sonntag, 18. Juni, 11 Uhr

 

JAK bleibt anonym.

JAK zeigt einzig seine künstlerische Arbeit.

Schlendernd, betrachtend, forschend und entdeckend bewegen wir uns durch eine Ausstellung.

 

Im Eingangsfoyer der Villa Merkel ragt als eine Skulptur ein alter Baum etwa 7m in die Höhe. Ihn trägt eine schräg stehende, spiegelnde Fläche aus Epoxydharz, knallig grün. Anderenorts beschreibt eine Landschaft fließenden Nebels und schwebenden Objekten aus Porzellan eine Szenerie aus einem Drehbuch zu einem Film. Typografische Malereien auf Leinwand verstecken Texte in geometrischen Abstraktionen. Geschnittene und gespiegelte Texte zeigen den konzeptuellen Umgang mit einem medizinischen Buch.

 

Hunderte szenischer Miniaturzeichnungen sind wie konserviert in Epoxydharz eingegossen und erzählen von einer Geschichte oder dem Weg dahin.

 

Und was hat das alles mit JAK zu tun? Wer, überhaupt, ist JAK? Ist JAK durch Ihr Zutun als Leser dieser Zeilen bereits lebendig geworden? Hat JAK so in Ihrem Kopf einen Körper, Attribute, einen eigenen Willen entwickelt? Vielleicht sind Sie doch nur den Bildern von JAK als einer Spur gefolgt, haben Entdeckungen gemacht oder gar etwas hinzuerfunden. Eine komplexe Szenerie, eine Phantasie hat sich vor Ihnen geöffnet, in Ihrer Vorstellung, wie bei einem Theaterstück, wie bei einem Film.

 

JAK, CUT TO:, 2017 (Entwurf)

JAK, his dream, 2017 (Entwurf)

JAK, Soul Blindness, 2015, Videoinstallation, Galerie LITMUS, Seoul, Korea

JAK, Visual Agnosia, 2017 (Detail), Buch “Visual agnosia” mit 41 Rahmen, Variable Wandinstallation

JAK, CUT TO (Detail), Installationsansicht Galerieverein Leonberg, 2015

 

 

 

 

 

 

 

Seit 2013 arbeitet JAK an dem Film SOUL BLINDNESS. Sein Entstehungsprozess gleicht nicht dem eines „normal“ geplanten Filmdrehs. Durch eine fortlaufende Ausstellungstätigkeit und mit jeder Ausstellung schreibt JAK die Geschichte des Drehbuchs Schritt für Schritt weiter. Dabei nutzt JAK verschiedene Medien wie Zeichnung, Text, Video, Sound, Skulptur, Malerei, Foto oder Installation.

 

Die Geschichte des Films beschreibt den Umgang eines Hauptdarstellers mit der psychologischen Anomalie der Agnosie. Interessant erscheint, dass JAK, der Künstler, und das Phänomen der Agnosie sich gleichen. In beiderlei Hinsicht verschwinden die Akteure in der Unsichtbarkeit: JAK bleibt anonym und Agnosie bewegt sich im Bereich der Illusion – Gegenstände können nicht mehr eindeutig erkannt oder zugeordnet werden. Alltägliche Handlungen aus dem Drehbuch zu SOUL BLINDNESS transformieren und konkretisieren sich zu Bühnenbildern.

 

Die Ausstellung in der Villa Merkel ist nach den Ausstellungen HUNTING, Württembergischer Kunstverein, Stuttgart; PROLOG, Kuandu Museum of Fine Arts, Taipei und CUT TO:, Galerieverein, Leonberg; die vierte Einzelausstellung im Zusammenhang dieses komplexen Projekts von JAK. Als Ouvertüre zur Esslinger Ausstellung gab es im März 2017 eine Auftaktausstellung in der Landesvertretung Baden-Württembergs in Brüssel.