18. Dezember 2016 – 26. Februar 2017

 

Dicker als Wasser. Konzepte des Familiären in der zeitgenössischen Kunst

 

Eröffnung: Sonntag, 18. Dezember, 11 Uhr

 

 

Familie muss angesichts sich wandelnder Realitäten neu gedacht werden. Kritik an starren Rollenbildern und patriarchaler Macht ist spätestens mit der 68er-Bewegung im gesellschaftlichen Mainstream angekommen. Doch sobald es darum geht, zu definieren, was eine Familie ist, erhält das Thema neue Sprengkraft. Was macht den Kern einer Familie aus?

 

Die gesellschaftlichen Debatten darum sind neben Werte- und Generationenkonflikten zunehmend von der Entwicklung neuer Technologien wie der künstlichen Befruchtung oder Leihmutterschaft sowie alternativer Lebensentwürfe geprägt. Statt sich biologisch zu legitimieren, kann Familie auch als Herstellungsprozess, als doing family, bezeichnet werden. Wechselseitig beeinflussen sich somit Entwicklungen von Lebensgemeinschaften und Gesellschaft und führen zu der Frage, ob der Begriff Familie individuell ausgedeutet und mit allen möglichen Formen des Zusammenlebens gefüllt werden kann. So sind Familienangelegenheiten eben nicht nur privater, sondern auch politischer Natur. Sie sind Ausdruck von Sozialstrukturen im Wandel und unterschiedlicher Vorstellungen von Familie.

 

 

 

 

 

 

Ragnar Kjartansson<br/>Me and my Mother 2010, 2010<br/>Still<br/>Courtesy i8 Gallery Reykjavík

Nina Katchadourian<br/>Accent Elimination, 2005<br/>Still<br/>Courtesy the artist and Catharine Clark Gallery, San Francisco, CA

Candice Breitz<br/>Factum Tang, 2010<br/>Still<br/>Commissioned by The Power Plant, Toronto; Commissioning Partner - Partners in Art

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Künstlerinnen und Künstler reflektieren aus der Distanz oder persönlich involviert den gegenwärtigen Status von Familie. Welche Bedeutung hat Familie angesichts globalisierter Arbeitsbedingungen und pluralisierter Lebensformen heute noch? Inwiefern ersetzen Netzwerke und Freunde klassische Familienstrukturen?

 

 

Die familia, der lateinische Ursprung des Wortes Familie, übersetzt sich nüchtern als Hausgenossenschaft. Anstelle von Blutsverwandtschaft und Schicksalsgemeinschaft suggeriert er eher eine Gemeinschaft freiwilliger Bindung und erfasst damit die Pluralität gegenwärtiger Familienentwürfe. Ist Familie heutzutage allein eine Sache freier Entscheidung und nicht mehr nur des genetischen Zufalls?

 

Die Ausstellung zeigt Arbeiten von:
Candice Breitz, Simon Fujiwara, Badr el Hammami & Fadma Kaddouri, Nan Goldin, Verena Jaekel, Haejun Jo, Nina Katchadourian, Byung Chul Kim, Ragnar Kjartansson, Neozoon, Johannes Paul Raether, Gillian Wearing und Tobias Yves Zintel

 

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Kunstpalais Erlangen, wo sie vom 24. September bis zum 27. November 2016 gezeigt wird