Die Villa Merkel selbst sieht ihre kuratorische Aufgabe in einer zweifachen Scharnierfunktion. Sie entdeckt, verstärkt und vermittelt an das Publikum, einerseits. Anderseits agiert sie gegenüber Künstlerinnen und Künstlern als kompetente Zuspielpartnerin, denn eines ihrer programmatischen Ziele ist, Neues auf den Weg zu bringen und in die künstlerische Produktion selbst zu investieren. Es entspricht dem Selbstverständnis der Villa Merkel, jüngere Positionen der internationalen Gegenwartskunst zu präsentieren und zu diskutieren. 

Kunst macht Welt sichtbar. Sie ist Ergebnis der Aus-
prägung individueller Haltungen, basiert auf Frei-
willigkeit, ist dem Wesen nach spielerisch und folgt einem offenen Denken. Kunst entsteht nicht im kontextfreien Raum. Sie reflektiert gesellschaftliche und politische Verhältnisse sowie die historischen und kunsthistorischen Voraussetzungen.

Das künstlerische Denken und die künstlerischen Sprachen kennen produktive Umwege, sind nicht in

erster Linie linear oder gar nutzungsorientiert, favorisieren das produktive Crossover zwischen den Gattungen und Disziplinen und öffnen Optionen,
die gesellschaftlich relevanten Fragestellungen aus sehr eigenständigen Blickwinkeln und Perspektiven
zu beleuchten.

Die monografischen und thematischen Ausstellungen der Villa Merkel sind inhaltlich als lose miteinander verknüpfte, einander durchaus kommentierende Projektreihen konzipiert. Einige unserer Fragen lauteten: „Wie entwerfen wir heute ein Bild von Natur?“ oder „Wie tragfähig erscheinen alternative Lebensentwürfe und Utopien insbesondere auch in der Perspektive des historischen Abstands?“ oder „Welchen Stellenwert hat die Information durch Bilder in einer mehr und mehr anthropomorph überformten Welt?“

Das Bahnwärterhaus bietet dezidiert junger,
noch nicht breit rezipierter Kunst eine Plattform.