13.
Dez. 2009 – 31. Januar 2010
Damien Deroubaix – Die Nacht
Damien Deroubaix’ (*1972 in Lille, lebt in Berlin) Ausstellung
bietet einen umfassenden Überblick zu neuesten großformatigen
Arbeiten auf Papier. Auch werden Holzschnitte und Skulpturen
sowie Installationen gezeigt, die eigens für die Ausstellung
realisiert sind. Die Ausstellungstournee ist eine Koproduktion
mit dem Saarland Museum und dem Kunstmuseum St. Gallen, Esslingen
bietet ihr die zweite Station.
Die Arbeiten von Damien Deroubaix schöpfen ikonographisch
aus dem Kosmos der Subkulturen, im Speziellen des Punks und
der Hardcore-Musik. Damien Deroubaix überformt dieses
Repertoire, das sich insbesondere durch drastische Symbolik
– Totenköpfe, Swastika, Gewalt und Sexualisierung
– auszeichnet, und überführt die Provokation
und den Hohn in traumgleich entrückte Umgebungen.
Dem Werk ist nicht mit brachialer Geradlinigkeit zu begegnen.
So ist es angelegt. Klar und hart ist die Bildsprache –
wie in allerbesten Karikaturen auch.
Im Bahnwärterhaus ist Damien Deroubaix Kurator und führt
die im 2008 gemeinsam mit Conny Beckers im Bongout Showroom
in Berlin realisierte Gruppenausstellung Family Jewels weiter.
Die Realisierung neuer Arbeiten ist zum Teil gefördert
durch Cnap Centre national des arts plastiques, der Künstler
für die Ausstellungstournee durch Cultures France, die
Esslinger Ausstellung zudem durch das Institut Français,
Stuttgart.
7. Februar – 7. März 2010
KUNST: »DAS INTEGRALE SPIEL«
KURT LEONHARD ZUM 100. GEBURTSTAG
Eine Ausstellung mit Werken aus der Graphischen Sammlung der
Stadt Esslingen am Neckar von: Max Ackermann, Hans Arp, Willie
Baumeister, Julius Bissier, Rolf Cavael, Karl Fred Dahmen,
Heribert Friedland, HAP Grieshaber, Erich Hauser, Heinz E.
Hirscher, Werner Höll, Ida Kerkovius, Rolf Nesch, Karl
Georg Pfahler, Pablo Picasso, Fritz Ruoff, Lothar Schall,
Bernard Schultze, K.R.H. Sonderborg sowie das Mappenwerk Winand
Victor/Kurt Leonhard "Gegenwelt: Radierungen und Gedichte",
1982, 8
Radierungen und 8 Gedichte
Kurt Leonhard (Berlin 1910 – 2004 Esslingen am Neckar)
kehrt 1946 aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft in Italien
nach Deutschland zurück und lässt sich in Esslingen
am Neckar nieder. Zusammen mit Ottomar Domnick und Willi Baumeister
leistet er seit 1947 Großes auf dem Gebiet der Vermittlung
zwischen deutscher und französischer Avantgarde. Gemeinsam
mit Stuttgarter Intellektuellen wie Max Bense oder Gerd Hatje
etabliert Kurt Leonhard eine qualitativ neue Reflexion von
junger Kunst und Lyrik im Nachkriegsdeutschland und fördert
deren Vermittlung.
Früh übersetzt er französische Literaten wie
Henri Michaux, E. M. Cioran, Paul Valery und Jean Cocteau.
Von 1950 bis 1959 ist Leonhard als Lektor des Esslinger Bechtle
Verlages tätig und bekannt für seinen Entdeckergeist
und die Förderung junger Talente. Kurt Leonhard publiziert
wegweisende Bücher zur modernen Kunst und Lyrik, seine
umfangreiche lyrische Produktion liegt in drei Auswahlbänden
vor. Im März 1981 wird in der Villa Merkel die Ausstellung
GRUSS AN LEONHARD – WERKE DER FREUNDE gezeigt. Aus ihrem
Anlass erscheint die Publikation KURT LEONHARD. WAS IST KUNST?
EINE GRUNDFRAGE UND NEUNUNDDREISSIG BEI-SPIELE, in welcher
Kurt Leonhard in Gedichten die Werke der Künstler ehrt.
Gedichte und Werkreproduktionen begegnen einander jeweils
auf Doppelseiten. Neunzehn der von Kurt Leonhard ausgewählten
neununddreißig Kunstschaffenden sind mit Werken auch
in der Graphischen Sammlung der Stadt Esslingen am Neckar
vertreten, eine Sammlung, um die sich Kurt Leonhard als Mentor
und Berater während Jahren überaus verdient macht.
Diese Arbeiten sind als Reflexion der Publikation Kurt Leonhards
in der Kabinettausstellung KUNST: „DAS INTEGRALE SPIEL“
- KURT LEONHARD ZUM 100. GEBURTSTAG zusammengefasst, ergänzt
durch die sechzehn Blätter des Portfolios WINAND VICTOR/KURT
LEONHARD: GEGENWELT – RADIERUNGEN UND GEDICHTE aus dem
Jahr 1982, das seit dem vergangenen Jahr als Neuerwerbung
die Graphische Sammlung der Stadt Esslingen am Neckar
bereichernd ergänzt.
|
 |
7.
Februar – 7. März 2010
"Tobias Rosenberger:
The Grand Defender -
Theatermaschinen und -modelle"
Der Medienkünstler Tobias Rosenberger (* 1980) ist amtierender
Bahnwärterstipendiat der Stadt. Mit der Ausstellung "The
Grand Defender. Theatermaschinen und -modelle" schließt
er seinen Aufenthalt in Esslingen am Neckar ab.
Bei der in Esslingen realisierten Arbeit "The Grand Defender"
wird ein Text des chinesischen Philosophen, Ingenieurs und
Militärberaters Mozi (spätes 5. Jhd. v. Chr.) zum
Ausgangsmaterial, das aufgrund seiner Differenz neue Perspektiven
auf die Wirklichkeit anbietet.
Weiterhin sind im Rahmen der Ausstellung in der Villa Merkel
die medialen Skulpturen "The An-Archic Device" (Mexiko
2009) und "Projektion 1675" (Schöppingen 2009)
sowie die vier-kanalige Videoarbeit "Breathing City"
(Lyon 2007 / Barcelona 2008) zu sehen.
28. März bis 6. Juni 2010
„Man Son 1969. Vom Schrecken der Situation“
Villa Merkel und Bahnwärterhaus
Das Jahr 1969 oder die Ambivalenz der Extreme:
Die Villa Merkel und das Bahnwärterhaus, Galerien der
Stadt Esslingen am Neckar, zeigen die Ausstellung „MAN
SON 1969. Vom Schrecken der Situation“ und widmen sich
dem Reiz und der Gefahr der Extreme. Ausgangspunkt sind bedeutende
historische Ereignisse in Politik, Gesellschaft, Gegenkultur
und Kunst der 1960er Jahre. Rund 25 internationale Kunstschaffende
sind eingeladen, im Rückblick auf das Jahr 1969 die Frage
der Ambivalenz der Extreme dieser Zeit weit reichender gesellschaftlicher
Reformprozesse durch neue Arbeiten aufzugreifen. Die Ausstellung
„MAN SON 1969. Vom Schrecken der Situation“ wurde
im Jahr 2009 zunächst in der Hamburger Kunsthalle gezeigt
und ist von 28. März bis 6. Juni 2010 in modifizierter
und konzentrierter Form in den Galerien der Stadt Esslingen
am Neckar, in der Villa Merkel und dem Bahnwärterhaus
zu sehen. Charles Manson, eine zentrale Figur der amerikanischen
Hippie-Kultur, gilt als Anstifter der Morde an Sharon Tate
und sechs weiterer Personen. Er befindet sich bis heute in
Haft. Sein Name und das damit verbundene Image, das zwischen
Hippie-Messias und Psychopath oszilliert, dienen als Stichwortgeber
der Ausstellung. Die Schreibweise Man Son (frei übersetzt
als „Menschensohn“) war eine von Manson zeitweilig
selbst gewählte Bedeutungsverschiebung seines Namens.
Die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler verhandeln
das Thema der Ausstellung, die Ambivalenz der Extreme um 1969,
aus ihrer aktuellen Warte und streifen sowohl die Person als
auch die Geschehnisse um Charles Manson nur am Rande. Sie
entwickeln Perspektiven, die beispielsweise Gruppenbildung
als ein Geschehnis zwischen Freiheit und Zwang ansprechen,
die Manipulation, Erziehung und Anpassung zum Thema machen,
die den musikalischen Hintergrund der Zeit und das Phänomen
einer nahezu religiösen Legendenbildung aufgreifen.
Die Präsentation der Ausstellung „MAN SON 1969.
Vom Schrecken der Situation“ wird für die besonderen
räumlichen Bedingungen der Villa Merkel überarbeitet.
Sie macht sich überkreuzende Logiken, Parallelen und
Widersprüche zwischen aufwühlenden Geschehnissen
in Europa und den USA erkennbar, die einen erneuten Blick
auf die Zeit der 1960er Jahre viel versprechend erscheinen
lassen.
Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler:
Mario Asef, Achim Bitter, Günter Brus, Joe Colemann,
Dellbrügge & de Moll, Peter Friedl, Till Gerhard,
Gerhard Halbritter, Elmar Hess, Laura Honse, Stephan Huber,
Stefan Hunstein, Susann Klein, Elena Kovylina, Thomas Kunzmann,
Sigalit Landau, Almut Linde, Stefan Micheel, Aurelia Mihai,
Ronald Nameth, Bruce Nauman, Karin Missy Paule, Susi Pop,
Astrid Proll, Chris Reinecke, Annamaria und Marzio Sala, Andreas
Seltzer, Cindy Sherman, Die Tödliche Doris, Susanne Weirich
und aus der Graphischen Sammlung Max Beckmann, Charles Gaines,
Martin Kippenberger
Zur Ausstellung liegt ein Katalog auf mit der Dokumentation
aller künstlerischen Beiträge, einem Interview zwischen
Truman Capote und Robert Beausoleil, Essays von Bommi Baumann,
Ursula Cyriax, Belinda Grace-Gardner, Gunnar Gerlach, Tom
Kummer, Jan Metzler, Susanne Pfeffer, Nora Sdun, sowie einer
Einführung von Frank Barth und Dirck Möllmann.
Kuratoren der Esslinger Ausstellung:
Andreas Baur, Villa Merkel, Esslingen; Frank Barth, Hamburger
Kunsthalle; Dirck Möllmann, freier Kurator
|