14. März – 17. Mai 2015

 

Jäger & Sammler

in der zeitgenössischen Kunst

 

Eröffnung: Freitag, 13. März 2015, 19 Uhr

 

David Chancellor, Henry Coombes, Sinje Dillenkofer, Mark Dion, Daniel & Geo Fuchs, Christian Gonzenbach, Roderick Hietbrink, Carsten Höller, Christian Jankowski, Claus Kienle, William Lamson, Isa Melsheimer, Guy Oberson, Simona Pries, Glen Rubsamen, Erik Schmidt, Andreas Slominski, TINKEBELL, Francis Zeischegg

 

Längst ist die Zeit vorbei, da wir die Flora und Fauna der alten Welt als Jäger und Sammler auf der Suche nach Essbarem durchstreiften. Doch ist dieses Kapitel der Menschheitsgeschichte wirklich abgeschlossen? Sind Jagdtrieb und Sammelleidenschaft nicht immer noch Motoren menschlichen Handelns? Wie viel „Jäger und Sammler“ steckt also noch in uns, fragen Gegenwartskünstler wie Christian Jankowski, der in seiner Video-Performance Die Jagd seine Beute mit Pfeil und Bogen im Supermarkt erlegt.

 

Jagen und Sammeln greifen als zwei elementare Kulturtechniken, als zwei Wege der Auseinandersetzung mit und der Aneignung von Natur immer noch eng ineinander. Im Horten der erlegten Tiere als Trophäen wird der Jäger zum Sammler, auf der Suche nach seltenen Stücken der Sammler zum Jäger.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aus ganz unterschiedlichen Perspektiven vermitteln die an der Ausstellung beteiligten Künstlerinnen und Künstler ungewöhnliche und anrührende, scharfsichtige und durchaus kritische Bilder vom Jagen und Sammeln.

 

Auch der Merkelpark wird zum Jagdgelände: Eine Jagdhütte (The Glutton / Der Schlemmer) des amerikanischen Künstlers Mark Dion steht konträr zu der idyllischen Parkanlage. Und ein besteigbarer Jägersitz, den Francis Zeischegg eigens für das Ausstellungsprojekt „Jäger und Sammler“ konstruiert hat, verspricht ungewohnte Perspektiven.

 

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Museum Morsbroich Leverkusen, wo die Ausstellung vom 21. September 2014 bis zum 11. Januar 2015 gezeigt wurde.

 

Ein Katalog mit Texten (dt.) von Markus Heinzelmann, Andreas Baur, Fritz Emslander, Gabriele John ist im Wienand Verlag, Köln erschienen.

 

Kurator: Fritz Emslander

 

David Chancellor<br/>Untitled Hunter # I, Trophy Room, Dallas, Texas, aus der Serie Safari Club, 2011/12<br/>C-Print, 72,3 × 114,8 cm<br/>Courtesy David Chancellor / INSTITUTE

Simona Pries<br/>Novice, 2011<br/>Fotografie, 58 x 40 cm<br/>Besitz der Künstlerin<br/>VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Christian Jankowski<br/>Die Jagd, 1992<br/>Video, Farbe, Sound, Still, 1:11 Min.<br/>Courtesy der Künstler

Henry Coombes<br/>Laddy and the Lady, 2006<br/>Video, Farbe, Sound, Still, 11 Min.<br/>Courtesy der Künstler und Galerie Jette Rudolph

Daniel & Geo Fuchs<br/>Hauskatze, aus der Serie CONSERVING, 1998<br/>Cibachrom-Print, 60 x 80 cm<br/>Courtesy Daniel & Geo Fuchs<br/>VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Christian Gonzenbach<br/>Safaris, 2007<br/>Steingutfiguren, je ca. 17 x 15 x 12 cm<br/>Musée de la Chasse et de la Nature, Paris<br/>Courtesy der Künstler


 

Debutausstellung im Bahnwärterhaus

24. Januar – 1. März 2015

 

Ülkü Süngün

 

Anlatsam Roman Olur – Die besten Romane schreibt das Leben

Band 1 – Lauter Steine

 

Eröffnung: Freitag, 23. Januar 2015, 19 Uhr

 

Im Jahr 2015 realisieren die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und die Galerien der Stadt Esslingen bereits zum dritten Mal je zwei Debutausstellungen im Bahnwärterhaus.

Die erste Debutausstellung in diesem Jahr wird von Ülkü Süngün realisiert. Die Künstlerin, die in der Türkei und in Deutschland aufgewachsen ist, nutzt Fotografie und Installation, um sich Fragen um das Thema Asyl anzunähern. Die Ausstellung im Bahnwärterhaus beschäftigt sich speziell mit der Lebenssituation von Flüchtlingen und Asylbewerbern in der EU. Als Grundlage dient unter anderem das Format Fotoroman, welches bis in die 70er Jahre vorwiegend in Italien und in der Türkei ein populäres Unterhaltungsmedium war.

 

Ülkü Süngün entwickelt ihre Fragen zum Thema anhand eines Einzelschicksals. Ausgehend von einer Begegnung mit dem älteren georgischen Flüchtling Sergo Pipia und seiner kranken Ehefrau Marina, versucht sie ihre Lebensrealität und – umstände, Sehnsüchte und Sorgen nachzuvollziehen. Zu dem Zeitpunkt der Begegnung hat das Ehepaar bereits seinen Asylantrag zurückgezogen und wartet auf die Heimreise. Ohne eine gemeinsame Sprache sprechen zu können, entwickeln die drei einen Fotoroman mit dem Titel „Lauter Steine.“

 

In der Ausstellung wird der Fotoroman als raumgreifende Inszenierung zwischen Dokumentation und narrativer Fiktion präsentiert: Sergo Pipia sammelt zunächst Steine aus dem Fluss Lauter, der in der Nähe seiner Asylunterkunft in Kirchheim unter Teck vorbeifließt und gestaltet darauf detailreiche Reliefs mit Architektur- und Pflanzenmotiven. Am Ende kann er zaubern. Im Angesicht der Rückkehr kippt der Alltag ins Absurde.

Aus dem Anspruch der persönlichen Begegnung, den sich Ülkü Süngün stellt, leiten sich Fragestellungen, Gefühle und eine intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Position innerhalb dieser Begegnung ab. Diesen Prozess macht die Künstlerin sichtbar.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die bearbeiteten Steine von Sergo Pipia und seine eigens entwickelte Präsentationsweise sind darüber hinaus Grundlage für die Installation „Lacrimarium Europae“ (Tränenglas von Europa) im Obergeschoß des Bahnwärterhauses. Ülkü Süngün nimmt die künstlerischen Motive von Sergo Pipia ernst und nimmt sie als Impuls auf, um über Überlebensstrategien der Flüchtlinge zu sprechen. In widersprüchlichen Wahrheiten, Scheinehen oder Glaubenskonvertierungen offenbart sich eine subversive Überlebensstrategie angesichts des gefürchteten und doch so begehrten Europa. Offizielle Dokumente und handgeschriebene Briefe, die in fremden Sprachen individuelle Flüchtlingsschicksale schildern, verbinden sich in der Ausstellung mit narrativen Fotografiesequenzen, persönlichen Objekten und fotografischen Umsetzungen von persönlichen Träumen und Visionen, die die Künstlerin aus der Begegnung mit vielen Flüchtlingen zusammensetzt.

 

Ülkü Süngün findet ein eigenes Format, um Fragen zu Flüchtlingsrealität und -politik in den Raum zu stellen. Der Fotoroman als Medium legt geradezu ein emotionales Interesse am Schicksal des Einzelnen nahe und lässt die Verhandlung und Kontextualisierung der politischen Verhältnisse umso schwieriger jedoch auch notwendiger erscheinen.

 

Ülkü Süngün (*1970 Istanbul, lebt in Stuttgart) studierte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart in den Klassen Bildhauerei und Freie Kunst bei Prof. Werner Pokorny, Prof. Udo Koch und Prof. Felix Ensslin. 

 

Die Debutausstellung wird in Kooperation mit der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart realisiert. 

Ülkü Süngün<br/>Aus dem Fotoroman „Lauter Steine“, 2014<br/>130x87cm<br/>Fotografie (Pigmentdruck)<br/>

Ülkü Süngün<br/>Aus dem Fotoroman „Lauter Steine“, 2014<br/>75x50cm<br/>Fotografie (Pigmentdruck)<br/>>

Ülkü Süngün<br/>Aus dem Fotoroman „Lauter Steine“, 2014<br/>75x50cm<br/>Fotografie (Pigmentdruck)<br/>


 

Seit 18. Mai 2014

 

Lois Weinberger – Mobiler Garten

 

Eröffnung: Sonntag, 18. Mai 2014, 12 Uhr

 

Der »Mobile Garten« des in Wien lebenden Künstlers und Documenta-Teilnehmers Lois Weinberger ist vor dem Wintergarten der Villa Merkel eingerichtet und verbleibt dort auf längere Zeit. Er kontrastiert in seiner Wildheit den umgebenden Merkelpark, dessen gepflegte Anlage an englische Landschaftsgärten erinnert.

 

Ein geformtes Feld aus farbigen mit Substrat befüllten Kunststoffkübeln – Spur menschlichen Handelns und Überprägung des Standorts – wird den freien Kräften der Natur überlassen. In spontaner Besiedlung greifen mit der Zeit Pionier- und Ruderalpflanzen Raum. Natur entfaltet sich entsprechend ihrer eigengesetzlichen Dynamik und in geradezu paradiesischer, da freier Weise. Ein Garten Eden wird sich etablieren. Mit den Jahren beginnt dieser natürliche Prozess einer Besiedlung umzuschlagen in eine Form des Vergehens:

 

 

 

 

 

 

 

 

nach und nach werden die Kübel ausbleichen, sich zersetzen sowie die Kunststoffpartikel sich mit dem Substrat und den Pflanzen vermengen. Nach Dekaden sollten Niederschläge die Standfläche wohl wieder sauber gespült haben.

 

Der Garten ist eine essentielle Form der Auseinandersetzung mit Natur. Wir kennen Gartenanlagen, die auf Erträge zielen und gleichermaßen solche, die angelegt sind als Glück stiftende Orte der Kontemplation. Dem Paradies gegenüber stehen etwa der Nutzgarten, der barocke Lustgarten oder als eine Oase in der Stadt der Volksgarten – in Esslingen namentlich die Maille und der Merkelpark.

 

Lois Weinberger<br/>NOUS, 2004<br/>Freiraum Studio Spiegelfabrik Niederösterreich

Lois Weinberger<br/>Mobiler Garten, 2014<br/>Installationsansicht Merkelpark/Villa Merkel

Lois Weinberger<br/>Plastikeimer, Erde, Spontanvegetation