Les Frères Chapuisat

Excrescence of Immortality

 

27. Juni - 23. August 2015

 

 

 

Während der Reishi-Pilz in hiesigen Wäldern unter dem Namen Glänzender Lackporling unbeachtet wächst, wird dieser Pilz in China seit tausenden Jahren als „Pilz der Unsterblichkeit“ und „König der Heilkräuter“ verehrt. Wissenschaftliche Studien belegen seinen Nährstoffreichtum und eine heilsame Wirkung.

 

Les Frères Chapuisat haben in der Villa Merkel eine Pilzzuchtfarm eingerichtet. Die Pilze sind das Herz einer architektonischen Struktur aus Holz, die sich im  Gebäude ähnlich wie ein Pilzmyzel ausbreitet und sogleich während der sechswöchigen Aufbauphase der Ausstellung als Lebensraum für Künstler und Assistenten dient. Angelehnt an ein Kloster oder einen Tempel gibt es soziale, kontemplative und private Einheiten in der Struktur. Diese werden auch für die Besucher während der Laufzeit zugänglich sein.

 

Im Inneren der Struktur leuchtet das Holz in Anlehnung an indische Hindu-Tempel in bunten Farben. Jedoch stellt die architektonische Konstruktion von Les Frères Chapuisat den Betrachter zunächst vor Herausforderungen. Die über mehrere Ebenen führende Konstruktion muss durch schmalste Öffnungen betreten werden. Um überall hinzugelangen ist der Besucher gefordert, sich auf allen Vieren fortzubewegen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kindheitserinnerungen werden geweckt. Die Lust am Entdecken und Klettern liegt in den Konstruktionen von Les Frères Chapuisat ebenso nahe wie leichter Nervenkitzel oder Panik. Gemeinschaftsplätze oder Schlafmöglichkeiten überraschen dagegen mit einer einladenden Atmosphäre und bieten Geborgenheit.

 

Die architektonischen Grenzgänge der Genfer Brüder Les Frères Chapuisat (Gregory *1972 und Cyril *1976) brechen mit festgelegten Definitionen von Skulptur und Architektur und geben dem Zusammenspiel von Architektur und sozialer Funktion eine neue Bedeutung. Ihr Prinzip des Gemeinschaftlichen und der Brüderlichkeit ist dabei kein rigoroses, sondern ein offenes Konzept. Mit Humor und einem Hang zum Abenteuerlichen stellen sie sich selbst und die Betrachter vor immer neue visuelle und physische Herausforderungen. 

 

Hinweis: Der Zugang zum Inneren der Struktur führt durch schmalste Öffnungen und durch Tunnel, die nur auf allen Vieren zu bewältigen sind. Der Einstieg ist daher nicht für jeden möglich. Die, skulpturale Außenform der Architektur ist jedoch in den Ausstellungsräumen gut sichtbar.

Beim Einstieg in die Skulptur ist das Tragen alter, robuster Kleidung empfehlenswert.

 

 

 

 

 Kuratorin: Anka Wenzel

 

 

Mit freundlicher Unterstützung der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia

 

Les Frères Chapuisat<br/>Le Buisson Maudit, Abbaye de Maubuisson, Salle du chapitre, 2013<br/>© Conseil général du Val d’Oise. © Les Frères Chapuisat, Courtesy Galerie Mitterrand

Les Frères Chapuisat<br/>La résidence secondaire, 2012<br/>© Les Frères Chapuisat, Courtesy Galerie Mitterrand

Les Frères Chapuisat<br/>Excrescence of Immortality, 2015<br/>Installationsansicht Villa Merkel, Galerien der Stadt Esslingen am Neckar

Les Frères Chapuisat<br/>Excrescence of Immortality, 2015<br/>Außenansicht Villa Merkel, Galerien der Stadt Esslingen am Neckar

Les Frères Chapuisat<br/>Excrescence of Immortality, 2015<br/>Installationsansicht Villa Merkel, Galerien der Stadt Esslingen am Neckar

Les Frères Chapuisat<br/>Excrescence of Immortality, 2015<br/>Installationsansicht (Dusche) Villa Merkel, Galerien der Stadt Esslingen am Neckar

Les Frères Chapuisat<br/>Excrescence of Immortality, 2015<br/>Installationsansicht (Stammtisch) Villa Merkel, Galerien der Stadt Esslingen am Neckar

Les Frères Chapuisat<br/>Excrescence of Immortality, 2015<br/>Installationsansicht (Reishi-Pilze) Villa Merkel, Galerien der Stadt Esslingen am Neckar


 

 

27. Juni – 23. August 2015

Gastbeiträge im Obergeschoss

 

Eröffnung: Freitag, 26. Juni 2015, 19 Uhr

 

 

Die Ausstellung „Excrescence of Immortality“ funktioniert im Sinne einer organischen Struktur, die kontinuierlich wächst und offen ist für äußere Impulse. Der Prozess wird daher durch zwei weitere eigenständige Positionen begleitet, die an die Thematik anschließen. 

 

 

Stephan Henrich

The Fungus Project – On Robotic Gardeners and Vertical Scrubs

 

Aus Austernpilzmycel und Stroh hat der Stuttgarter Architekt Stephan Henrich einen lebenden Verbundwerkstoff erstellt. Im „Fungus-Projekt“ werden die natürlichen Organismen des Pilzes genutzt, um mithilfe eines eigens entwickelten robotischen Gärtners eine mauerartige Struktur zu errichten.

 

Das Fungus-Projekt untersucht Wechselwirkungen zwischen Architektur, Natur, Mensch und robotischen Maschinen, die zur Unterstützung architektonischer Prozesse eingesetzt werden können. Das „FungusProjekt“ wurde innerhalb eines Stipendiums am Schloss Solitude 2010/2011 verwirklicht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heiko Sievers

Mushroom of the day

 

Jeden Tag ein Pilz – Seit November 2009 entsteht täglich ein Pilz-Bild aus der Hand des Berliner Malers Heiko Sievers. Fast zeitgleich sind die Bilder in seinem Blog sichtbar. Sie sprießen unaufhörlich und bilden einen digitalen Kosmos, in den tagesaktuelle, politische und private Bezüge Einzug finden und sogleich beginnen, vor sich hinzurotten.

 

Die Ausstellung zeigt eine Auswahl der Originalzeichnungen aus den mittlerweile weit über tausend Motiven. Während sich viele kleine Pilze an einem Tag zum Occupy Mushroom solidarisieren, wachsen die Pilze an anderen Tagen offenbar aus den Köpfen von Politikern. Wieder anderntags offenbaren sich kleinteilige Pilzkuturen oder formschöne, einzelne Waldbewohner.

 

http://mushroom-of-the-day.blogspot.de/

 

Heiko Sievers<br/> Pussy Pilze, 2012<br/>

Heiko Sievers<br/>Hamburg, Feb. 1st 2015 NEVER MIND THE PAPERS, 2015<br/>

Heiko Sievers<br/>Moderne Ostasienstudien (B.A.), 2013<br/>

Stephan Henrich<br/>The Fungus Project - Pilzstruktur-Mockup, 2011<br/>(c) Stephan Henrich; Foto: Hannes Woidich<br/>

Stephan Henrich<br/>The Fungus Project – Pilzstruktur, 2011<br/>Rendering<br/>(c) Stephan Henrich

Stephan Henrich<br/>The Fungus Project - Gärtner auf Pilzstruktur, 2011<br/>Rendering<br/>(c) Stephan Henrich


 

Seit 18. Mai 2014

 

Lois Weinberger – Mobiler Garten

 

Eröffnung: Sonntag, 18. Mai 2014, 12 Uhr

 

Der »Mobile Garten« des in Wien lebenden Künstlers und Documenta-Teilnehmers Lois Weinberger ist vor dem Wintergarten der Villa Merkel eingerichtet und verbleibt dort auf längere Zeit. Er kontrastiert in seiner Wildheit den umgebenden Merkelpark, dessen gepflegte Anlage an englische Landschaftsgärten erinnert.

 

Ein geformtes Feld aus farbigen mit Substrat befüllten Kunststoffkübeln – Spur menschlichen Handelns und Überprägung des Standorts – wird den freien Kräften der Natur überlassen. In spontaner Besiedlung greifen mit der Zeit Pionier- und Ruderalpflanzen Raum. Natur entfaltet sich entsprechend ihrer eigengesetzlichen Dynamik und in geradezu paradiesischer, da freier Weise. Ein Garten Eden wird sich etablieren. Mit den Jahren beginnt dieser natürliche Prozess einer Besiedlung umzuschlagen in eine Form des Vergehens:

 

 

 

 

 

 

 

 

nach und nach werden die Kübel ausbleichen, sich zersetzen sowie die Kunststoffpartikel sich mit dem Substrat und den Pflanzen vermengen. Nach Dekaden sollten Niederschläge die Standfläche wohl wieder sauber gespült haben.

 

Der Garten ist eine essentielle Form der Auseinandersetzung mit Natur. Wir kennen Gartenanlagen, die auf Erträge zielen und gleichermaßen solche, die angelegt sind als Glück stiftende Orte der Kontemplation. Dem Paradies gegenüber stehen etwa der Nutzgarten, der barocke Lustgarten oder als eine Oase in der Stadt der Volksgarten – in Esslingen namentlich die Maille und der Merkelpark.

 

Lois Weinberger<br/>NOUS, 2004<br/>Freiraum Studio Spiegelfabrik Niederösterreich

Lois Weinberger<br/>Mobiler Garten, 2014<br/>Installationsansicht Merkelpark/Villa Merkel

Lois Weinberger<br/>Plastikeimer, Erde, Spontanvegetation