29. Juni 2014 – 21. September 2014

 

Andreas Schulze 

 

Eröffnung: Sonntag, 29. Juni 2014, 11 Uhr

 

Andreas Schulze entwickelt seine überaus eigenständige malerische Haltung in den 1980er Jahren und profiliert diese seither stetig. Zunächst arbeitet er im Kreis der Kölner Gruppe Mülheimer Freiheit und der so genannten Jungen Wilden. Doch früh distanziert er sich von deren expressiven, spontanen und subjektiven Duktus. Seine Position in der Malerei der Gegenwartskunst ist einzigartig.


Die Einzelausstellung in der Esslinger Villa Merkel wird konzeptionell zweigeteilt aufgebaut sein. Für das Erdgeschoss der Villa Merkel entwirft Andreas Schulze eine großformatige räumliche Installation und „möbliert“ dieses Geschoss des ehemaligen Wohngebäudes durch malerische Interventionen. Wie bei allen seinen Installationen werden dabei die Themen der Gemälde Andreas Schulzes in den Ausstellungsraum erweitert. Gefundene Objekte sind einbezogen wie auch eigene Skulpturen und Lampen. Faktischer und fiktionaler Raum erscheinen miteinander verwoben. Etabliert werden komplexe Beziehungen zwischen profanen Objekten und ornamentalem Dekor, zwischen unkonventionellem Lebensstil und bürgerlicher Normalität. Andreas Schulzes melancholische Landschaften und Interieurs vermitteln Behaglichkeit und Bedrohung zugleich, thematisieren das das Streben der Gesellschaft nach Sicherheit und Komfort wie auch die Entfremdung des „Privaten“, in welcher das bürgerliche Bedürfnis auf Harmonie sich als eng und restriktiv herausstellt. Und immer geht es mit einem gehörigen Augenzwinkern und tiefgründigem Humor zur Sache.

 

Gunter Reski schreibt, „Andreas Schulzes Malerei hat vermeintlich viel mit naivem Charme zu tun. Der kommt mit einer verblüffenden Nonchalance daher.

 

 

 

 

 

 

 

 

Andreas Schulze ist wahrscheinlich einer der wenigen, die per amüsiertem Achselzucken malen können. Sehr einfach und sehr lässig. So ein bisschen wie die fröhliche Pubertät auf dem Weg zur Abstraktion oder auch beim angeschickerten Nachhauseweg von dort zurück… Seinen ultimativen Stil hat Andreas Schulze schon zu Studentenzeiten aus dem Hut gezaubert und ist ihm einfach konsequent treu geblieben. Bezaubernd abstrahierende Vereinfachungen der Alltagswelt, die weder den metaphysischen Hoch- noch Tiefbau in der bildlichen Repräsentation bemühen müssen. Ich habe ihn irrtümlich einfach nur für den weltbesten Erbsenmaler gehalten… Menschendarstellungen kommen nicht vor. Es sind Anmutungen von hübsch entkernten Lebensräumen a la broken home stories, deren nicht gezeigte Bewohner vielleicht ähnlich viele Handicaps und Leerstellen aufweisen, so dass man sie lieber gar nicht erst zeigen mag. Dagegen dürfen Marsriegel, Obst, Pflastersteine, Solarien, Geschirr, und jede Menge flott schattierte geometrische Grundformen seine geschmackig sphärischen Farbverläufe im Hintergrund bevölkern… Die radikale Simplizität dieser Bildsettings ist nach wie vor erfrischend. Schulzes befreiende Veralberung eines letztlich klerikalen Reduktionismus, nicht nur aus Amerika, hat die Stärke, dass seine essentiellen Albernheiten nicht im flachen Fahrtwasser der Parodie oder Scharade baden gehen. Schwer zu sagen, wie er das hinbekommt.“

 

Die Ausstellung reist in modifizierter Form an das Kunstmuseum Bonn und im Anschluss an das Kunstmuseum St. Gallen.

Andreas Schulze<br/>Installationsansicht bei Sprüth Magers London, 2009<br/>Andreas Schulze / Team Gallery, New York / Sprüth Magers, Berlin/London

Andreas Schulze<br/>Ohne Titel (Nebel im Wohnzimmer), 2013<br/>Acryl auf unbehandeltem Stoff<br/>200 x 540 cm (2teilig)<br/>Andreas Schulze / Team Gallery, New York / Sprüth Magers, Berlin/London<br/>Foto: Mareike Tocha

Andreas Schulze<br/>Installationsansicht bei Sprüth Magers London, 2013<br/>Andreas Schulze / Team Gallery, New York / Sprüth Magers, Berlin/London<br/>Foto: Steven White


 

Merkelpark

29. Juni 2014 - 21. September 2014

 

Ida Ekblad und Les Frères Chapuisat

 

Sonntag, 29. Juni 2014, 11 Uhr, Eröffnung

 

Die Installationen von Ida Ekblad und Les Frères Chapuisat sind Teil der Veranstaltungsreihe „Offenbar – Interreligiöse Kulturtage Esslingen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

am Neckar“ und Esslinger Beiträge zum Projekt „Garten Eden“ der KulturRegion Stuttgart.

Ida Ekblad<br/>How to Fall Off a Horse, 2011<br/>Stahl, Farbe, 182,5 x 296,5 cm<br/>Sammlung Migros Museum für Gegenwartskunst<br/>Foto: Stefan Altenburger Photography, Zurich<br/>Copyright VG Bild-Kunst

Les Frères Chapuisat<br/>Point de vue naturel, 2011<br/>Holz und stählernde Spiegel<br/>Installation im FACM, Meyrin / Genf<br/>Courtesy der Künstler


 

Seit 18. Mai 2014

 

Lois Weinberger – Mobiler Garten

 

Eröffnung: Sonntag, 18. Mai 2014, 12 Uhr

 

Der »Mobile Garten« des in Wien lebenden Künstlers und Documenta-Teilnehmers Lois Weinberger wird vor dem Wintergarten der Villa Merkel eingerichtet und dort auf längere Zeit verbleiben. Er kontrastiert in seiner Wildheit den umgebenden Merkelpark, dessen gepflegte Anlage an englische Landschaftsgärten erinnert.

 

Ein geformtes Feld aus farbigen mit Substrat befüllten Kunststoffkübeln – Spur menschlichen Handelns und Überprägung des Standorts – wird den freien Kräften der Natur überlassen. In spontaner Besiedlung greifen mit der Zeit Pionier- und Ruderalpflanzen Raum. Natur entfaltet sich entsprechend ihrer eigengesetzlichen Dynamik und in geradezu paradiesischer, da freier Weise. Ein Garten Eden wird sich etablieren. Mit den Jahren beginnt dieser natürliche Prozess einer Besiedlung umzuschlagen in eine Form des Vergehens: nach und nach werden die Kübel ausbleichen, sich zersetzen sowie die Kunststoffpartikel sich mit dem Substrat und den Pflanzen vermengen. Nach Dekaden sollten Niederschläge die Standfläche wohl wieder sauber gespült haben.

 

Der Garten ist eine essentielle Form der Auseinandersetzung mit Natur. Wir kennen

 

 

 

 

 

 

 

 

Gartenanlagen, die auf Erträge zielen und gleichermaßen solche, die angelegt sind als Glück stiftende Orte der Kontemplation. Dem Paradies gegenüber stehen etwa der Nutzgarten, der barocke Lustgarten oder als eine Oase in der Stadt der Volksgarten – in Esslingen namentlich die Maille und der Merkelpark.

 

Zwei weitere künstlerische Interventionen im Merkelpark werden folgen. Ab 29. Juni 2014 werden dort eine Skulptur in Gestalt eines Tores der schwedischen Künstlerin Ida Ekblad mit dem Titel »How to Fall Off a Horse«, 2011, gezeigt, eine Leihgabe des Migrosmuseums für Gegenwartskunst in Zürich, sowie die Spiegelinstallation »Point de vue naturel«, 2011, von Frères Chapuisat präsentiert.

Die Eröffnung von Lois Weinbergers Mobilem Garten, einem Projekt der Villa Merkel, Galerien der Stadt Esslingen am Neckar, markiert zudem den Start von »Offenbar – Interreligiöse Kulturtage Esslingen am Neckar«, einer facettenreichen Veranstaltungsreihe des Kulturamts der Stadt Esslingen am Neckar und diesjähriger Esslinger Beitrag zum Projekt »Garten Eden« der KulturRegion Stuttgart.

 

Lois Weinberger<br/>NOUS, 2004<br/>Freiraum Studio Spiegelfabrik Niederösterreich

Lois Weinberger<br/>Mobiler Garten, 2014<br/>Installationsansicht Merkelpark/Villa Merkel

Lois Weinberger<br/>Plastikeimer, Erde, Spontanvegetation