14. Februar – 24. April 2016

 

Willie Doherty

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Eröffnung: Sonntag, 14. Februar, 11 Uhr

 

Die Ausstellung zeigt neben den jüngsten Videos „The Amnesiac" (2014), „Remains" (2013) und „Buried" (2009) eine eigens neu produzierte Videoarbeit, die in der Villa Merkel zum ersten Mal präsentiert wird. Ebenso wird eine Auswahl fotografischer Arbeiten der jüngeren Vergangenheit durch eine Reihe neuer Werke ergänzt.

 

Auch diese jüngsten Arbeiten führen Dohertys Reflexionen in Videos und Fotografien über die sich verändernde politische Landschaft Nordirlands fort.

Doherty untersucht die Grenzen zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen Realität und Erinnerung. Seine Verwendung der Kamera zeichnet ein Interesse für Überwachungstechnologien ebenso aus wie ein Interesse an der Tradition der romantischen Landschaft. Die Aufmerksamkeit springt von Tag zu Nacht und von urbanen zu natürlichen Lebensräumen, vom Panorama zur Nahaufnahme. Die Kamera scheint vom Pfad abzuweichen. Sie führt in Sackgassen oder in gefangene Räume.

 

 

Willie Doherty<br/>Ghost Walk II, 2016<br/>Pigment Print<br/>106,6 x 159,8 cm

Willie Doherty<br/>Home (waiting), 2016<br/>Pigment Print<br/>71,2 x 106,6 cm

Willie Doherty<br/>Ghost Walk III, 2016<br/>Pigment Print<br/>106,6 x 159,8 cm

Willie Doherty<br/>In a Corner II, 2015<br/>Pigment Print<br/>106,6 x 159,8 cm

Willie Doherty<br/>In a Corner III<br/>Pigment Print<br/>106,6 x 159,8 cm

 

 

 

 

 

 

 

 

Zwischen den Polen von Authentizität und Fiktion erforschen seine Videos die Möglichkeiten und Bedingungen des filmischen Apparats und spielen auf Genres an wie Action-, Autoren- und Dokumentarfilm. Im bildhaften Sinne verwendet er zudem eine Technik, die mit einer kriminalistischen Erzählung vergleichbar ist: Er steigert die Ununterscheidbarkeit zwischen einer konkreten Bedrohung und einer Grundbefindlichkeit, der Angst vor dem Nichts, vor dem Unbestimmten. Erzählstrukturen und Möglichkeiten der Interpretation bleiben offen. Willie Dohertys Fotografien und Videos zwingen uns, mit der Tatsache umzugehen, dem Bild nicht länger vertrauen zu können.

 

 

Wir danken Alexander and Bonin, New York, der Galerie Peter Kilchmann, Zürich, der Galería Moisés Pérez de Albéniz, Madrid und der Kerlin Gallery, Dublin für die großzügige Unterstützung.

          


 

 

23. Januar – 28. Februar 2016 

 

Bahnwärterhaus:

Under Construction II

 

Eröffnung: Freitag, 22. Januar, 19 Uhr

  

Dave Bopp, Tilman Brandmeier, Benjamin Gräbner, Timo Sacher, Hanna Schwaderer, Martin Schweikert, Min-Seob Ji, Nigatu Tsehay Molla, Daniela Wolf

 

„Under Construction" ist eine zweiteilige Ausstellungsreihe, die das Bahnwärterhaus als Plattform für junge, internationale Künstler nutzt. Der Titel „Under Construction" steht für einen nicht abgeschlossenen Prozess. Die Arbeiten sind offene Konstruktionen, die weiter fortführbar sind.

 

Im zweiten Teil der Ausstellungsreihe werden neun Positionen vorgestellt. Ein besonderer Fokus liegt in diesem Teil auf aktuellen Tendenzen der Malerei. Daneben werden aber auch Installation, Fotografie und Video zu sehen sein. Am Eröffnungsabend präsentiert der Künstler Min-Seob Ji eine Performance.

 

Mit Dave Bopp, Timo Sacher, Nigatu Tsehay Molla und Martin Schweikert sind vier Malerpositionen in der Ausstellung vertreten. Wie selbstverständlich fließen digitalisierte Elemente, Filmbezüge oder Graffititechniken in ihre Malereien ein.

 

So sind beispielsweise die Malereien des Schweizers Dave Bopp in Schichten angelegt, welche sich gegenseitig kommentieren, paraphrasieren und weiterschreiben. Die kleinen, organischen, abstrakten Formen treten zueinander in Beziehung. Die am Computer generierten Formen werden in mehreren Schichten und mit diversen Techniken auf den Bildträger aufgetragen. Diese „Sampletechnik“ eröffnet vielfältige Referenzen - so zum Beispiel zu Remixtechniken in der Musik.

Timo Sacher dagegen realisiert mit einem reliefartigen Bildträger aus Gips ein räumliches Farberlebnis aus gesprühter Farbe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die figürliche Malerei von Nigatu Tsehay Molla ist unter anderem vom Film beeinflusst. Anders als im Film handelt es sich jedoch nicht um klare Kameraperspektiven. In einer Kollision unterschiedlicher Blickwinkel verzerren sich die Figuren.

 

Mit einem spitzbübischen Augenzwinkern lehnen sich die Arbeiten von Hanna Schwaderer und Tilman Brandmeier an den Ausstellungstitel „Under Construction“ an. Tilman Brandmeier hat die leidige Aufgabe des Bilderaufhängens für die Ausstellungsdauer an ein kinetisches Konstrukt delegiert. Hanna Schwaderer verpackt den Vorgang der Bilderherstellung in eine Transportkiste.

 

Weitere Beiträge kommen von Benjamin Gräbner, der in seinen skulpturalen Arbeiten Auswirkungen auf Materialien untersucht und von Daniela Wolf, die ein Video präsentiert.

 

In einer Perfomance am Eröffnungsabend von Min-Seob Ji entstehen unter dem Titel „Miraculous construct“ Türme aus Origamibooten. Die fragile Konstruktion des Südkoreaners ist eine Hommage an die legendäre Performance „In search of the Miraculous“ des Künstlers Jan Bas Ader aus dem Jahr 1975. Der Künstler verschwand spurlos bei dem Versuch einer performativen Überquerung des Atlantiks in einem kleinen Segelboot. Im Angesicht der aktuellen Flüchtlingsbewegungen über das Meer bekommt diese historische Performance eine neue Facette.

 

Kuratorin: Anka Wenzel

          

 

 

 


 

Seit 18. Mai 2014

 

Lois Weinberger – Mobiler Garten

 

Eröffnung: Sonntag, 18. Mai 2014, 12 Uhr

 

Der »Mobile Garten« des in Wien lebenden Künstlers und Documenta-Teilnehmers Lois Weinberger ist vor dem Wintergarten der Villa Merkel eingerichtet und verbleibt dort auf längere Zeit. Er kontrastiert in seiner Wildheit den umgebenden Merkelpark, dessen gepflegte Anlage an englische Landschaftsgärten erinnert.

 

Ein geformtes Feld aus farbigen mit Substrat befüllten Kunststoffkübeln – Spur menschlichen Handelns und Überprägung des Standorts – wird den freien Kräften der Natur überlassen. In spontaner Besiedlung greifen mit der Zeit Pionier- und Ruderalpflanzen Raum. Natur entfaltet sich entsprechend ihrer eigengesetzlichen Dynamik und in geradezu paradiesischer, da freier Weise. Ein Garten Eden wird sich etablieren. Mit den Jahren beginnt dieser natürliche Prozess einer Besiedlung umzuschlagen in eine Form des Vergehens:

 

 

 

 

 

 

 

 

nach und nach werden die Kübel ausbleichen, sich zersetzen sowie die Kunststoffpartikel sich mit dem Substrat und den Pflanzen vermengen. Nach Dekaden sollten Niederschläge die Standfläche wohl wieder sauber gespült haben.

 

Der Garten ist eine essentielle Form der Auseinandersetzung mit Natur. Wir kennen Gartenanlagen, die auf Erträge zielen und gleichermaßen solche, die angelegt sind als Glück stiftende Orte der Kontemplation. Dem Paradies gegenüber stehen etwa der Nutzgarten, der barocke Lustgarten oder als eine Oase in der Stadt der Volksgarten – in Esslingen namentlich die Maille und der Merkelpark.

 

Lois Weinberger<br/>NOUS, 2004<br/>Freiraum Studio Spiegelfabrik Niederösterreich

Lois Weinberger<br/>Mobiler Garten, 2014<br/>Installationsansicht Merkelpark/Villa Merkel

Lois Weinberger<br/>Plastikeimer, Erde, Spontanvegetation